Reiseziele Lesbos

Mythos Lesbos – was ist dran?

Lesbos: Blick auf die Bucht von Molivos (Foto: istockphoto.com/Ladida)

Wenn Lesben nach Lesbos fahren, meinen sie oft den einen kleinen Ort an der Küste, Skala Eressos. Aber auch die restliche Insel ist einen Ausflug wert. 

queer-travel.net 08/2011 - Das lesbische Paradies liegt am Ende der Welt – das denkt man, wenn man vom Flughafen in Mytilini mit dem Taxi Kurve um Kurve quer über die Insel Lesbos Richtung Skala Eressos fährt. Ende Mai ist die Landschaft überwiegend grün, unterbrochen von felsigen Passagen, dazwischen lockt das Meer. Lesbos ist die drittgrößte griechische Insel, liegt aber näher an der Türkei als an der griechischen Festlandküste. Die eineinhalbstündige Fahrt endet am südwestlichen Ende der Insel mitten in Skala Eressos. Hundert Meter sind es zum Meer, nur ein paar Meter zum nächsten Restaurant. Skala Eressos ist ein Touri-Ort, nur ab und an ist noch seine Geschichte als griechischer Fischerort zu erahnen. Weit entfernt ist man hier aber von Betonbauten oder Ballermanntourismus. 

Im Hochsommer ist der Ort dicht mit griechischen Familien besiedelt, die hier feiern und am Strand abhängen. Lesbos findet sich in Reiseführern aber nicht unter den Top Ten der griechischen Inseln. Das hat den Vorteil, dass sich kein unangenehmer Massentourismus etabliert hat. Skala Eressos, das ist die kleine Bucht unten, oben auf dem Hügel liegt der Ort Eressos. Zusammen haben sie etwas über 1.000 Einwohner und Einwohnerinnen. Vor allem vor und nach der Hochsaison ist Skala Eressos ein lesbisches Urlauberinnenparadies. Was sonst auf einer griechischen Insel immer noch Mut erfordert – die Liebste am Strand küssen oder in einer lesbischen Partymeute feiern –, ist hier alltäglich. Im Gegenteil. Als Urlauberin erfährt man ein zunächst ungewohntes „Zwangsouting“. Denn hier herrscht Klarheit. Zwei Frauen am Strand: das müssen Lesben sein! Letztlich ein bestechender Vorteil: Schwimmen, Surfen, Wandern, Ouzo trinken – alles ohne Versteckspiel. Das ist Griechenland genießen pur! 

Lesbos berühmteste Einwohnerin: die Dichterin Sappho 

Lesben auf Lesbos, das klingt ja sowieso wie das Natürlichste von der Welt. Lesbier heißen schließlich männliche wie weibliche Einwohner der Insel. Und was dazu kommt: Das Wort Lesben als Bezeichnung für frauenliebende Frauen leitet sich von einer der berühmtesten Einwohnerinnen der Insel ab. Die Dichterin Sappho (circa 612–560 v. Chr.) soll in Skala Eressos (oder auch in Eressos oder Mytilini) geboren worden sein und in einer Art Mädcheninternat Lyrik und Philosophie unterrichtet haben. Platon nannte sie zwei Jahrhunderte nach ihrem Tod wegen ihrer Dichtkunst bewundernd die „zehnte Muse“. Die neun Musen waren in der Antike Schutzgöttinnen der Künste. Noch heute wird „die zehnte Muse“ oft auch als Synonym für lesbische Frauen gebraucht. 

Über Sapphos Leben ist wenig Genaues überliefert. Auch ihre Lyrik ist nur noch in Fragmenten vorhanden. Sie soll mit ihren Schülerinnen auch erotische Beziehungen unterhalten haben, viele meinen in ihren Gedichten Anspielungen darauf wiederzufinden. Ob das mit dem, was wir heute unter lesbischer Liebe verstehen, gleichzusetzen ist, bleibt ungeklärt. 

 

Skala Eressos - der lesbische Lieblingsort auf der Insel (Foto: Gudrun Fertig)

Ein Traum für Urlauberinnen und Exilantinnen: Skala Eressos 

Szenenwechsel: Heute gibt es in Skala Eressos mehrere Bars, die von Lesben geführt werden, viele lesbische Exilantinnen aus der ganzen Welt, die das ganze Jahr hier leben, ein großes Herbstfestival, das seit 11 Jahren besteht, und seit zwei Jahren auch ein kleines Frühjahrsfestival. Jede Menge Infrastruktur für lesbische Urlauberinnen also. Der Ort besteht ja nur aus der Strandpromenade mit vielen Restaurants, dem langen Strand und einem zentralen Platz plus ein paar Straßen drum herum. Während der Festivals werden einige der kleinen Appartementhäuser nur an Frauen vermietet, griechische Frauen bieten Kochkurse an. Und alle, vom Besitzer des kleinen Lebensmittelladens, über die Angestellte der Bäckerei bis zum Rollerverleih haben keinerlei Probleme mit Lesben. Sie gehören einfach dazu. 

Der Ort lernte, damit zu leben, so Wendy Jansen, Geschäftsführerin des Reisebüros Sappho Travel vor Ort, und mittlerweile seien hier wirklich alle an Lesben gewöhnt. 

Legendär ist auch der riesige Strandzeltplatz, auf dem Lesben seit den 1970ern Alternativkultur lebten. Schwer zu sagen, was ungewöhnlicher war und mehr für Aufsehen sorgte: die vielen selbständigen Frauen, das Alternativ-Flair oder die vielen Lesben. Es half, dass Skala Eressos schon seit den 1960ern auch als Hippie-Ort galt. In den 1990ern gab es nochmal einen steten Anstieg bei den lesbischen Besucherinnenzahlen. 

Ein Muss auf Lesbos: der Rollerausflug, hier beim Sappho Spring Festival (Foto: travelwomen.nl)

Lesbischer Sehnsuchtsort, Hippiestädtchen, Touristenbucht 

„Es war eine Invasion“ erinnert sich Joanna Savva, die in Skala Eressos geboren wurde und Sappho Travel gegründet hat. Sie selbst wusste schließlich nicht, was für ein Signal sie an lesbische Frauen sandte, als sie sich 1999 den Namen für ihr Reisebüro ausdachte. Sappho war für sie einfach eine historische Persönlichkeit. Dass Skala Eressos über Jahrzehnte für viele lesbische Frauen ein Ort war, an dem sie flirteten, sich verliebten, wieder entliebten, mit Freundinnen feierten, an den sie immer wieder zurückkehrten, wurde ihr erst mit der Zeit klar. 

Heute besuchen viele Engländerinnen, Holländerinnen und auch Deutsche den kleinen Ort. Doch die Besucherinnenzahlen sind etwas zurückgegangen. Vielleicht braucht es nicht mehr so stark den einen lesbischen Sehnsuchtsort. Vielleicht müssen die Jüngeren aber auch erst von den neuen und alten Möglichkeiten vor Ort erfahren. 

Außer Abhängen in Skala Eressos bietet Lesbos natürlich noch so manch anderes. Schöne Wandertouren sind auf der bergigen Insel möglich, die quirlige Hauptstadt Mytilini empfiehlt sich ebenfalls für einen Ausflug. Außerdem finden sich heiße Quellen auf der Insel, und von der Bergspitze des Touri-Ortes Molivos hat man einen fantastischen Blick. Das lesbische Paradies ist dabei nicht auf der ganzen Insel ausgebrochen. Natürlich ist ganz Lesbos lesbische Besucherinnen gewöhnt, aber nicht überall wird man so freundlich willkommen geheißen wie in Skala Eressos. Macht aber nichts, dann freut man sich, abends wieder ins kleine lesbische Paradies zurückzukehren. 

Gudrun Fertig

Weiterlesen auf Papier: ausführliche Infos zu allen Lesben-Festivals auf Lesbos auch in L-MAG, Ausgabe März/April 2012!

 

Festivaltermine 2012:

Sappho Spring Festival: 15.-30.5. 2012, www.sappho-holidays.com 

Alpha Camp (neu seit diesem Jahr!), 16.6.-1.7., www.alpha-camp.com 

Sappho Women, 8.-22.9., www.sapphowomen.org

 

Reisetipps für Skala Eressos und Lesbos

Anreise/Unterkunft

2er-Appartements zwischen 25 und 35 Euro pro Nacht in Skala Eressos und Flüge kann man gut über das lesbische Reisebüro Fairlines in Hamburg buchen, www.fairlines.de

Transfer vom Flughafen

Transfer vom Flughafen in Mytilini nach Skala Eressos: Entweder per Taxi (um die 100 Euro) oder per Shuttle-Bus (wesentlich billiger, anmelden unter: ­sappho-holidays.com/sappho_taxi.html). Morgens fährt ein Bus von Skala Eressos nach Mytilini, abends fährt er zurück.

Ausflüge

  • Strand bei Sigri: eine der Nachbarbuchten von Skala Eressos mit einem traumhaften Strand.
  • Wandern mit Michalis (im Sappho Garden erfragen): Michalis ist auf der Insel geboren, kennt die schönsten Wanderwege und weiß alles über das Ökosystem von Lesbos.
  • Einkaufen bei Evelyn, Old Market, am Fuße des Bergstädtchens Molivos: Keramik, Bioprodukte, Ouzo.
  • Bars in Skala Eressos sind zu Festivalzeiten voller Lesben, im restlichen Jahr empfehlen sich zum Beispiel Roots, L’Aubergine, The Tenth Muse.


Weitere Infos 

Reisebüro in Skala Eressos: www.sapphotravel.com

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